Diversitykompetenz als Strukturmodell

Der Begriff der Lehrkompetenz beinhaltet ein Verständnis von Lehre als Vermittlungsaufgabe, die in der Moderation von Lernprozessen durch Lehrende besteht. Dazu wirken die vier Schlüsselkompetenzen Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz, ergänzt um Systemkompetenz der Lehrenden zusammen. Überträgt man dieses Strukturmodell auf Diversitykompetenz, verstanden als die Fähigkeit eines Individuums, mit menschlichen Unterschieden wie Gemeinsamkeiten wertschätzend und konstruktiv umzugehen, so lässt sich in den genannten fünf Dimensionen in eine Art Idealprofil der Diversitykompetenz von Lehrenden auffächern.

Nachfolgend finden Sie eine dynamisch wachsende Sammlung an ausgewählten und sorgfältig kuratierten Materialien und Inhalten zu den jeweiligen Schlüsselkompetenzen. Ein regelmäßiger Besuch lohnt sich!

Fachkompetenz

Die Fähigkeit, fachwissenschaftliche Bezüge zu Diversity herzustellen und die angemessene hochschuldidaktische Einbettung in Lehr-Lern-Prozesse.

  • Begriffsverständnis von Heterogenität, Diversität, Inklusion
  • Fachimmanente und fachübergreifende Diversity-Aspekte erkennen und in die eigene Lehre integrieren können
  • Lehr-Lerntheoretische Zugänge berücksichtigen können
  • Unconscious Bias und Stereotype Threat in ihren Wirkungen auf das Lernen einschätzen können
  • Fachliche Expertise auf unterschiedlichen Niveaustufen diagnostizieren können.

Methodenkompetenz

Das didaktische Repertoire für die diversitätsorientierte Auswahl, Planung und Umsetzung von Lehr-Lern-, Beratungs- und Prüfungsformaten.

  • (Aktives) Zuhören
  • Analytische Werkzeuge zur Erhebung der situativen Rahmenbedingungen des Lehrens und studentischen Lernens (z.B. Eingangs-Assessments, Feed-in) nutzen
  • Materialien und Lernräume barrierefrei gestalten können
  • Checklisten und Leitfäden für die Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen kennen und nutzen, z.B. Gender, Sprache, Inklusion
zu den Inhalten

Systemkompetenz

Beschreibt die Fähigkeit von Lehrenden, den Bezug zum umgebenden System Hochschule herzustellen, welches die eigenen Handlungsmöglichkeiten beeinflusst.

  • Rechtliche Rahmenbedingungen kennen (z.B. AGG, UN-BRK)
  • Strategische Absichten der Hochschule(n) kennen und in ihren Auswirkungen auf dem Umgang mit Diversität in Studium und Lehre einschätzen können
  • Infrastrukturelle Rahmenbedingungen kennen und nutzen können
  • Module und Studiengänge diversitätsgerecht konzipieren können
zu den Inhalten

Sozialkompetenz

Sie umfasst die Gesamtheit an Fähigkeiten und Fertigkeiten Lehrender, in der sozialen Interaktion diversitätsgerecht zu handeln.

  • Verständlich, sachgerecht und zielgruppenorientiert kommunizieren können: Beziehungen aufbauen, Gruppen leiten, Kommunikations- und Interaktionskonflikte lösen
  • Differenzierung und Individualisierung interaktiv herstellen können
  • Diskriminierungsfreie Lernräume herstellen können
  • Empowerment ermöglichen können

Selbstkompetenz

Sich selbst und anderen gegenüber eine empathische, positive und wertschätzende Haltung einnehmen und sich selbstreflexiv weiterentwickeln.

  • Vielfältige Perspektiven einnehmen können
  • Die eigene Lehrperspektive (z.B. TPI) und damit verbundene Lehrformate reflektieren können
  • Offen sein, die eigene pädagogischen Überzeugungen zu hinterfragen
  • Empowerment ermöglichen können
  • Persönlich Abstand nehmen und „engagierte Distanz“ von Geschehnissen in Situationen zeigen können
  • Selbst- und Fremdwahrnehmung trennen können
  • Bereitschaft zeigen, sich zu ändern
  • Diversitätsgerechte Handlungsroutinen entwickeln können

Diversität in der Hochschullehre – Didaktik für den Lehralltag

Wie können Hochschullehrende der Diversität von Studierenden mit einer bewussten Gestaltung von Lehr-Lern-Interaktionen konstruktiv begegnen? Frank Linde und Nicole Auferkorte-Michaelis unterstützen mit diesem Buch Lehrende bei der Gestaltung ihrer eigenen didaktischen Konzepte für Lehrveranstaltungen. 

Das Buch richtet sich an Lehrende, die sich für Hochschuldidaktik interessieren. Ausgehend von dem Wunsch, dass die eigene Lehre alle Studierenden erreichen soll, befassen sich Lehrende mit hochschuldidaktischen Konzepten. Wohlwissend, dass die Studierenden alle unterschiedlich sind, entstehen Ideen für eine diversitätsgerechte Didaktik. Die Autor*innen sind davon überzeugt, dass Lehrende der Diversität von Studierenden mit der bewussten Gestaltung von Lehr-Lern-Interaktionen konstruktiv begegnen können. Mit diesem Buch möchten sie die Leser*innen bei der Weiterentwicklung Ihrer eigenen didaktischen Konzepte für die Gestaltung von Lehrveranstaltungen unterstützen. Die Publikation ist als Paperback und E-Book erhältlich.